Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt neues DB-Angebot zur Generalsanierung und fordert dauerhafte Nahverkehrsöffnung im Fernverkehr zwischen Koblenz und Mainz
Vom 10. Juli bis zum 12. Dezember wird die rechte Rheinstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf im Rahmen einer Generalsanierung umfassend modernisiert. Während dieser Zeit kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Schienenverkehr. Unter anderem verkehren die Linien RB 10, RB 27, RE 8 und RE 9 nur eingeschränkt oder werden durch Schienenersatzverkehr ersetzt.
Während der Sperrung werden zahlreiche Fahrgäste auf die linke Rheinstrecke ausweichen. Dort stoßen die Kapazitäten bereits heute regelmäßig an ihre Grenzen. Insbesondere die Linien RE 2, RE 5 und RB 26 sind in den Hauptverkehrszeiten sowie an Wochenenden häufig überfüllt. Durch die zusätzlichen Fahrgastverlagerungen ist mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen.
Die Deutsche Bahn reagiert darauf mit einem stark rabattierten Fernverkehrsangebot für Vielfahrer auf der Strecke Bonn – Koblenz – Mainz. So sind die sogenannten Mehrfahrtentickets, also Fahrscheine für 10 oder 20 Fahrten, bis zum 31. Dezember 2026 im Preis um bis zu 60 % reduziert.
„Wir begrüßen, dass die Deutsche Bahn unsere Forderung nach einer stärkeren Einbindung des Fernverkehrs aufgreift. Wer beispielsweise zwischen Koblenz und Mainz pendelt, zahlt mit dem 20-Fahrten-Ticket künftig nur noch 4,64 Euro statt 10,46 Euro pro Fahrt. Das ist ein konkreter Anreiz, den Fernverkehr stärker zu nutzen und den überlasteten Nahverkehr zu entlasten“, so Wand.
Zugleich begrüßt der Fahrgastverband PRO BAHN Rheinland-Pfalz/Saarland die Generalsanierung ausdrücklich. Jahrzehntelang aufgeschobene Investitionen haben zu einem erheblichen Sanierungsstau geführt. Moderne und zuverlässige Infrastruktur ist die Grundlage für einen attraktiven Schienenverkehr. Bereits abgeschlossene Generalsanierungen, etwa auf der Riedbahn, zeigen, dass umfassende Erneuerungen langfristig zu einer höheren Betriebsqualität und mehr Zuverlässigkeit führen können. Hinzu kommt, dass sich die Aufenthaltsqualität in den teilweise stark sanierungsbedürftigen Verkehrsstationen durch die Sanierung spürbar verbessert und mit dem Bau neuer Bahnsteige mehr Barrierefreiheit ermöglicht werden kann.
„Die Sanierung der Infrastruktur ist alternativlos. Wer einen leistungsfähigen Schienenverkehr möchte, muss auch akzeptieren, dass es während der Bauzeit Einschränkungen gibt. Entscheidend ist aber, die Belastungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten“, erklärt Noah Wand, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Rheinland-Pfalz/Saarland.
PRO BAHN sieht in der Öffnung des Fernverkehrs jedoch nicht nur eine sinnvolle Begleitmaßnahme während der Generalsanierung: Der Fahrgastverband spricht sich zudem dafür aus, das Angebot über den vorgesehenen Zeitraum hinaus fortzuführen sowie auf weitere Relationen auszuweiten. Aus Sicht des Verbandes sollte die Nutzung des Fernverkehrs für Nahverkehrskundinnen und -kunden grundsätzlich erleichtert werden, solange die Kapazitäten im Regionalverkehr aufgrund der hohen Nachfrage, insbesondere seit Einführung des Deutschlandtickets, regelmäßig nicht ausreichen. Perspektivisch sollte eine Ausweitung bis Köln geprüft werden.
„Die Überlastung der Nahverkehrszüge ist längst kein vorübergehendes Baustellenproblem mehr. Das Deutschlandticket hat erfreulicherweise deutlich mehr Menschen in die Bahn gebracht, gleichzeitig sind die Fahrzeugkapazitäten vielerorts nicht im gleichen Maße gewachsen. Solange Regionalzüge regelmäßig überfüllt sind, sollte die Nutzung freier Kapazitäten im Fernverkehr geprüft werden“, betont Justin Drescher, stellvertretender Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Rheinland-Pfalz/Saarland. „Eine solche Nahverkehrsöffnung wird auf anderen Verbindungen, wie beispielsweise zwischen Dresden und Chemnitz oder Stuttgart und Konstanz, bereits sehr gut angenommen.“
Deshalb fordert PRO BAHN, die Anerkennung von Nahverkehrstickets beziehungsweise vergleichbare vergünstigte Angebote im Fernverkehr auch nach Abschluss der Generalsanierung dauerhaft zwischen Koblenz und Mainz anzubieten, solange die Kapazitäten im Nahverkehr den tatsächlichen Bedarf nicht decken. Darüber hinaus spricht sich der Verband dafür aus, das bestehende Rabattangebot perspektivisch bis Köln auszuweiten.
„Fernverkehr und Nahverkehr dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wo im Fernverkehr freie Sitzplätze vorhanden sind und gleichzeitig Regionalzüge aus allen Nähten platzen, profitieren am Ende alle Beteiligten von einer intelligenten Verzahnung beider Systeme. Die vorhandene Infrastruktur muss insgesamt möglichst effizient genutzt werden“, so Drescher abschließend.